Versorgung

Bei einem Schlaganfall muss es schnell gehen. Eine frühe bildgebende Diagnostik stellt die Weichen und ist deswegen unverzichtbar. In der Akuttherapie ist die Versorgung auf einer professionellen Schlaganfallstation, einer „Stroke Unit“, der Dreh- und Angelpunkt für ein gutes Langzeitergebnis. Effi ziente Rehabilitation und strukturierte Nachbetreuung sind weitere Pfeiler der Versorgung.

Die Bildgebung stellt die Weichen

Wenn bei einem Menschen plötzlich Schlaganfallsymptome auftreten, dann ist der diagnostische Blick ins Gehirn die Grundlage für eine optimale Therapie. Mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografi e (MRT) gilt es festzustellen, ob die Ursache des Schlaganfalls eine Hirnblutung ist oder nicht. Das ist deswegen so wichtig, weil es unterschiedliche Behandlungsmaßnahmen für die unterschiedlichen Patientinnen und Patienten gibt.

Wenn Patienten mit einer Durchblutungsstörung („Ischämie“) innerhalb der ersten viereinhalb Stunden nach dem Ereignis eine so genannte Lysetherapie erhalten, werden Blutgerinnsel, die die Hirngefäße verstopfen, aufgelöst und dadurch viele Nervenzellen vor dem Untergang bewahrt. Bei einer Hirnblutung dagegen würde eine solche Lysetherapie die Situation nur noch verschlimmern. Es ist deswegen unverzichtbar, zu wissen, was genau im Gehirn vor sich geht, bevor eine Lysetherapie begonnen wird. Die bildgebende Diagnostik ist auch deswegen wichtig, um jene Patienten zu identifi zieren, denen mit einer Operation oder einem Gefäßeingriff geholfen werden kann.

 

Vitalparameter überwachen, Komplikationen verhindern

Die Versorgung auf einer professionellen Schlaganfallstation, einer Stroke Unit, ist der zweite wichtige Behandlungsgrundsatz, dessen Nutzen wissenschaftlich zweifelsfrei belegt werden konnte. Auf einer Stroke Unit werden die Betroffenen engmaschig überwacht. So wird dort beispielsweise die Körpertemperatur in einem engen Korridor zwischen 37 und 37,5 Grad Celsius gehalten. Höhere Temperaturen bedeuten höheren Energieverbrauch in einer für das Gehirn ohnehin prekären Versorgungssituation. Fieber wird deswegen in der Stroke Unit konsequent gesenkt. Auch der Blutdruck sowie die Lungen- und Herzfunktion müssen engmaschig kontrolliert werden. Zu den Aufgaben der Stroke Unit gehört es außerdem, häufige Komplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen zu verhindern. Ein besonderes Augenmerk gilt hier der Ernährung. Wer nach einem Schlaganfall Schluckstörungen hat, der hat ein höheres Risiko, Nahrungsbestandteile versehentlich in die Luftröhre zu bekommen. Eine solche „Aspiration“ kann zu schweren Lungenentzündungen führen. Eine Möglichkeit das zu verhindern, ist das Andicken der Nahrung.

Vitalfunktionen überwachen gehört dazu: Optimale Versorgung beim Schlaganfall bieten spezialisierte Schlaganfallstationen.

 

Funktion wiederherstellen, Defizite trainieren

Nach dem Verlassen der Schlaganfallstation ist der Schlaganfall für einen Teil der Betroffenen noch nicht ausgestanden. Auch bei optimaler Akutbehandlung bleiben oft motorische, sensorische oder sprachliche Einschränkungen in unterschiedlicher Ausprägung bestehen. In den Wochen und Monaten nach dem Ereignis geht es darum, diese Defizite zu verringern und wichtige Körperfunktionen für einen normalen Alltag gezielt zu trainieren.

Ein wichtiger Zwischenschritt ist dabei die Rehabilitation (siehe Seite 28). Etwa 25 Prozent der Patientinnen und Patienten, die in einer Stroke Unit versorgt werden, sind funktionell so stark beeinträchtigt, dass ihnen eine ambulante neurologische Frührehabilitation oder eine stationäre Rehabilitation empfohlen wird. Dadurch kann ein Teil der Betroffenen vor einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit bewahrt werden. Eine strukturierte Nachsorge soll außerdem verhindern, dass erneute Schlaganfälle auftreten. Denn bei einem zweiten Schlaganfall sind die Aussichten wesentlich ungünstiger als beim ersten Mal.

Schlaganfallversorgung ist eine Mannschaftsleistung. Wenn die Schlaganfallversorgung verbessert werden soll, müssen Schlaganfälle früh erkannt werden. Patientinnen und Patienten sollten rasch in die Klinik kommen, eine optimale Akutversorgung und Rehabilitation erhalten und systematisch nachbetreut werden.

 

Sehen, was Sache ist

Der gezielte Blick ins Gehirn ist beim akuten Schlaganfall unverzichtbar. Nur die Bildgebung zeigt, ob ein Schlaganfall durch eine Blutung oder eine Durchblutungsstörung verursacht wurde. In den meisten Einrichtungen ist die Computertomografie (CT) der Standard, um diese Frage zu klären. Doch die Untersuchung mittels Magnetresonanztomografie (MRT) stellt sich zunehmend als leistungsfähiger heraus. Ihr Einsatz beim Schlaganfall wird deswegen intensiv erforscht.

 

Präzise Bilder ohne Röntgenstrahlung

Die MRT ist eine technisch relativ anspruchsvolle Diagnosetechnik, die in den vergangenen Jahren in immer mehr medizinische Disziplinen Einzug gehalten hat. Während bei der CT Bilder entstehen, weil das Körpergewebe an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich durchlässig für Röntgenstrahlen ist, funktioniert die MRT nach einem anderen Prinzip: Durch einen großen Magneten werden Atomkerne elektromagnetisch angeregt und „schwingen“ dann in ihren Ausgangszustand zurück. Dieses „Schwingen“ kann ein MRT-Gerät aufzeichnen und daraus ein Bild errechnen.

Für Patientinnen und Patienten hat das eine Reihe von Vorteilen. Zum einen werden weder Röntgenstrahlen noch jodhaltige Kontrastmittel wie beim CT benötigt, die unter anderem für die Schilddrüse problematisch sind. Zum anderen lassen sich vor allem die Weichteile des Körpers deutlich detail- und kontrastreicher darstellen – beispielsweise das Gehirn. Beim Schlaganfall bedeutet das konkret: Mittels CT können Fachleute im Wesentlichen eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls bestätigen oder ausschließen. Mittels MRT dagegen können sie zusätzlich eine Gewebeschädigung direkt und frühzeitig sichtbar machen – und damit viel gezielter behandeln.

Mehr Informationen: Die MRT-Diagnostik hat beim akuten Schlaganfall Vorteile, weil sie genauere Informationen zur Hirndurchblutung liefert.

 

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung